KI in der Softwareentwicklung: Was bleibt vom klassischen Softwarehaus?
Beim gemeinsamen Unternehmerfrühstück mit IT for Work im Mai stand ein Thema im Mittelpunkt, das derzeit nahezu jedes IT-Unternehmen beschäftigt:
Wie verändert Künstliche Intelligenz die Softwareentwicklung – und welche Auswirkungen hat das auf Geschäftsmodelle und Unternehmenswert?
Den fachlichen Impuls lieferten Reto Kiefer (Screenion GmbH) und Ingo Wewer (connexxa GbR), die das Thema sowohl aus praktischer als auch aus strategischer Perspektive beleuchteten.
KI verändert nicht nur die Entwicklung
Anhand konkreter Beispiele wurde diskutiert, wie Unternehmen heute bereits mit selbst gehosteten KI-Modellen und spezialisierten Trainingsdaten Entwicklungsprozesse unterstützen und beschleunigen.
Die eigentliche Frage ging jedoch deutlich weiter:
Welche Rolle spielt klassische Softwareentwicklung künftig überhaupt noch?
Wird Quellcode zur Nebensache?
Eine der spannendsten Diskussionen drehte sich um die These, dass Quellcode künftig eine ähnliche Rolle einnehmen könnte wie Assembler heute.
Der Code bleibt zwar vorhanden, rückt aber zunehmend in den Hintergrund. Statt jede Zeile selbst zu schreiben, entstehen Anwendungen immer stärker durch die Zusammenarbeit von Entwicklern und KI-Systemen.
Die entscheidende Frage dabei:
Verlieren wir dadurch die Fähigkeit, Software wirklich zu verstehen – oder gewinnen wir Freiraum für wichtigere Aufgaben?
Eine eindeutige Antwort gab es nicht. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machten die Diskussion besonders wertvoll.
Was bedeutet das für Geschäftsmodelle?
Neben den technischen Veränderungen wurde auch die wirtschaftliche Seite betrachtet.
Wenn KI Entwicklungsaufwände reduziert, verändert sich zwangsläufig die Wertschöpfung vieler IT-Unternehmen. Unternehmen müssen sich stärker fragen, welchen konkreten Mehrwert ihre Leistungen beim Kunden erzeugen – unabhängig vom eigentlichen Entwicklungsaufwand.
Ein interessanter Gedanke aus der Runde war dabei, nicht ausschließlich das klassische IT-Budget der Kunden im Blick zu haben. Wenn Lösungen nachweislich Arbeitsaufwand reduzieren oder Prozesse automatisieren, entstehen Einsparungen häufig an ganz anderer Stelle im Unternehmen – beispielsweise im Personalbudget.
Fazit
Die Diskussion machte deutlich, dass KI nicht einfach nur ein weiteres Werkzeug für Entwickler ist.
Sie verändert die Art, wie Software entsteht, wie Leistungen bewertet werden und wie IT-Unternehmen ihren Mehrwert gegenüber Kunden darstellen.
Viele Fragen sind noch offen. Klar wurde jedoch: Wer die Auswirkungen von KI ausschließlich als technisches Thema betrachtet, greift zu kurz.